Posted by on 4. März 2020

Qualitätsmanagement in der Arbeitssicherheit

Das ganzheitliche Qualitätsmanagement in Unternehmen erfordert eine klare Kunden-, Mitarbeiter- und Prozessorientierung. Insbesondere für die Beschäftigten spielt die Arbeitssicherheit eine zentrale Rolle. In unserem Beitrag erklären wir, warum Qualitätsmanagement Aufgabe der Unternehmensleitung ist und welche ISO-Normen berücksichtigt werden sollten – insbesondere für den Arbeits- und Gesundheitsschutz.

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Qualitätsmanagement als zentrale Führungsverantwortung

Der Begriff Qualitätsmanagement fasst zunächst alle qualitätsbezogenen Tätigkeiten und Zielsetzungen in einem Unternehmen zusammen. Dazu gehören auch sämtliche Bereiche der Unternehmensführung sowie die damit verbundenen Einstellungen und Maßnahmen zur Erreichung und Verbesserung der Qualität (vgl. Pischon 1999).

Dabei müssen sämtliche Anspruchsgruppen des Unternehmens berücksichtigt werden: Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Kapitalgeber, Behörden, Öffentlichkeit sowie Umweltverbände. Um der Vielzahl an Anforderungen und Erwartungen gerecht zu werden, muss das Qualitätsmanagement als zentrale Führungsaufgabe verstanden werden.

„Jede Nichterfüllung von Qualitätsanforderungen ist Verschwendung, die Zeit, Geld und Marktanteile kostet, und somit überflüssig! Die Planung, Umsetzung und Erfüllung dieser globalen Qualitätsforderung ist daher eine anspruchsvolle Managementaufgabe.“

Brunner & Wagner 2016, S. 5

Die Ziele eines systematischen Qualitätsmanagements sind ebenso anspruchsvoll wie selbsterklärend: langfristiger Geschäftserfolg, Nutzen für alle Mitglieder des Unternehmens sowie Nutzen für die Gesellschaft (vgl. ebd. S. 8). Dafür ist es jedoch notwendig, ein entsprechendes Unternehmensleitbild zu etablieren. Hier wird das Selbstverständnis über die Qualitätspolitik explizit festgehalten.

Der Einsatz von umfassenden Qualitätskonzepten in allen Bereichen eines Unternehmens wird auch als Total-Quality-Management (TQM) zusammengefasst. Hier lässt sich eine Vielzahl an strategischen und operativen Aufgaben festhalten (vgl. ebd. S. 12):

1. Ausrichtung aller Unternehmensaktivitäten auf die Kundenzufriedenheit
2. (Selbst-)Verpflichtung des Managements (Top-Down-Ansatz)
3. Sensibilisierung und Mobilisierung der Mitarbeiter (Bottom-Up-Ansatz)
4. Fokus auf Eigenverantwortung und Selbstprüfung in der Team- und Gruppenarbeit
5. Festlegung von Verantwortlichkeiten in der Prozess- und Wertschöpfungsorientierung
6. Bekenntnis zum kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP)
7. Vermeidung von Fehlern in allen Prozessphasen
8. Optimierung des Kunden- und Lieferantenverhältnisses
9. Leistungsvergleich mit Wettbewerbern im Markt
10. Vermeidung von Verschwendung

Zwar ist TQM als Konzept der Unternehmensführung zu verstehen, jedoch ist die Mitwirkung aller Mitarbeiter unbedingt notwendig. Nur so können sämtliche Prozesse auf deren Qualitätsorientierung hin tatsächlich geprüft werden.

Generell lassen sich drei Säulen identifizieren, welche Grundvoraussetzung für ein umfassendes Qualitätsmanagement darstellen: Kundenorientierung, Mitarbeiterorientierung und Prozessorientierung (vgl. ebd. S. 13). Zwar bezieht sich TQM in erster Linie auf die Produktqualität, jedoch ist auch die Arbeitssicherheit ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen.

Zunächst gilt es natürlich, die gesamte Belegschaft für die Qualitätspolitik des Unternehmens zu sensibilisieren. Weiter hat die Personalentwicklung dafür Sorge zu tragen, dass die Mitarbeiter die notwendigen Kompetenzen besitzen, um den unternehmerischen Anforderungen gerecht zu werden.

Ein wesentlicher Schwerpunkt im Rahmen des Qualitätsmanagements ist die Arbeitssicherheit. Dabei kann der Arbeits- und Gesundheitsschutz auch als ein Wettbewerbsfaktor auf verschiedenen Ebenen verstanden werden (vgl. Jeiter & Kuhn 1997, S. 257):

  • „durch Kosten und Erträge beim Schutz, Erhalt und in der Förderung der Gesundheit der betroffenen Arbeitnehmer – auf betrieblicher Ebene, in der Gesamtwirtschaft und ihrer Wettbewerbsfähigkeit sowie für die Systeme sozialer Sicherung,
  • durch den Einsatz von Ressourcen für dessen Schutzziele,
  • in den Betrieben durch die ausgelösten Kosten und den gestifteten Nutzen bei der betrieblichen Umsetzung in Produkten, Prozessen und Dienstleistungen,
  • in den Aufwendungen und Leistungen staatlicher, selbstverwalteter und privater Träger des Systems des Arbeits- und Gesundheitsschutzes,
  • in der internationalen Konkurrenz durch Kosten und Nutzen unterschiedlicher Standards des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (z. B. Kinderarbeit, geringer Schutzerfordernisse, fehlende Überwachung von Sicherheitsstandards).“

Es zeigt sich, dass die Investition für das Qualitätsmanagement in der Arbeitssicherheit auch auf den Unternehmenserfolg einzahlt. Für eine optimale Umsetzung sollten dafür jedoch die gängigen ISO-Normen bekannt sein.

Qualitätsmanagement in der Arbeitssicherheit – Wichtige ISO-Normen

Als Grundlage für ein normenbasiertes Qualitätsmanagementsystems dient die Normenreihe 9000, bestehend aus ISO 9000, ISO 9001, ISO 9004 und ISO 19011.

In der ISO 9000:2015 („Qualitätsmanagementsysteme – Begriffe und Grundlagen“) werden zunächst die Rahmenbedingungen für Qualitätsmanagementsysteme festlegt. Dazu gehören der Anwendungsbereich, grundlegende Konzepte sowie notwendige Begriffserläuterungen.

Die ISO 9001:2015 („Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen“) fungiert als zentrale Norm der Reihe, schließlich werden hier die Anforderungen festgelegt, die für eine Zertifizierung erfüllt sein müssen.

Weiter dient die ISO 9004:2009 („Leiten und Lenken für den nachhaltigen Erfolg einer Organisation – Ein Qualitätsmanagementansatz“) der Weiterentwicklung der ISO 9001 und verfolgt den TQM-Ansatz.

Schließlich dient die ISO 19011:2011 als „Leitfaden für Auditierungen von Managementsystemen“. Hiermit lassen sich systematisch Audits planen – auch für Umweltmanagementsysteme.

Für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit gibt es mit der ISO 45001 eine internationale Norm an entsprechende Managementsysteme. Ziel ist es hier, die Belastung durch Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu reduzieren. Dementsprechend stellt die ISO 45001 Anforderungen, welche Organisation und Unternehmen für eine sichere Arbeitsplatzgestaltung berücksichtigen sollten.

Zwar gibt es in Deutschland keine rechtlich bindende Pflicht zur Einführung von Managementsystemen im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Daher ist auch eine ISO-45001-Zertifzierung nicht verpflichtend. Jedoch führt wird der Einsatz mit einem gestiegenen Bewusstsein der Mitarbeiter für Gesundheit und Sicherheit im Unternehmen belohnt. Dies wiederum führt im Idealfall zu einer Minimierung der betrieblichen Kosten für Vorfälle, bspw. bei Produktionsausfällen.

Auch in puncto Selbstvermarktung ist eine entsprechende Zertifizierung hilfreich, schließlich stärkt ein Zertifikat auch das Vertrauensverhältnis zu Kunden, Lieferanten und nicht zuletzt den Mitarbeitern.

Zum Abschluss bleibt die Empfehlung, das Qualitätsmanagement in der Arbeitssicherheit systematisch voranzutreiben. Auch wenn der Aufwand zu Beginn hoch erscheinen mag, ist die Umsetzung von ISO-Normen ein wichtiger Baustein für den Unternehmenserfolg – und vor allem notwendig für den Schutz der Gesundheit aller Mitarbeiter.

Für die systematische Planung, Durchführung und Dokumentation aller Prozessschritte lohnt sich der Einsatz von cloudbasierten Software-Lösungen. Unsere HSQE Compliance-Management-Software iManSys unterstützt hier u. a. durch zahlreiche Automatisierungsprozesse sowie den orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf alle notwendigen Informationen.

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Weiterführende Informationen:

Brunner, F.J. & Wagner, K.W. (2016): Qualitätsmanagement. Leitfaden für Studium und Praxis. 6. Aufl. München: Carl Hanser Verlag.

Jeiter, W. & Kuhn, K. (1997) Sicherheit und Gesundheit im Kontext des Qualitätsmanagements. In: Kröll M., Schnauber H. (eds) Lernen der Organisation durch Gruppen- und Teamarbeit. Springer, Berlin, Heidelberg.

Pischon, A. (1999): Integrierte Managementsysteme für Qualität, Umweltschutz und Arbeitssicherheit. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag.

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